DER AKSU REPORT

aktive Hilfe vor Ort

Wir freuen uns über Menschen, die in der Auffangstation aktiv mithelfen – helfende Hände werden nämlich immer dringend gebraucht. Die Aufgaben reichen vom täglichen Putzen der Gehege, Kot sammeln und Füttern über Hilfe bei der medizinischen Versorgung bis hin zu zahlreichen Ausbesserungsarbeiten. Da immer etwas zu reparieren ist, sind handwerklich begabte Menschen sehr herzlich willkommen.

Die Arbeit ist sehr anstrengend und schmutzig, aber – wie uns die Helfer/innen immer zurückmelden – auch sehr erfüllend. Freude und Leid liegen immer nah beieinander. Leider können wir die Kosten für die Anreise nicht übernehmen, eine Unterkunft kann unter Umständen nach Absprache gestellt werden. Wer Interesse hat, kann sich bei uns über info(at)gemeinsamfuertiere.de melden.


Folgenden kleinen Text hat eine junge Frau geschrieben, die im November 2015 in der Auffangstation mitgeholfen hat:

Der Aksu-Report

Es war einmal in einem gar nicht so weit entfernten Land … genauer gesagt in der Türkei. Begonnen hat alles im Oktober, als Markus und ich uns noch ein paar Tage Urlaub gönnen wollten und uns selbstverständlich als Flugpaten registrierten. Trotz aller Spontanität oder vielleicht gerade deswegen hat alles wunderbar geklappt und wir konnten Pit und Wilma mit in eine gute, in eine bessere, Zukunft mitnehmen. Rosi, die Tierschützerin vor Ort, ließ es sich aber nicht nehmen und „entführte“ uns in ihre Auffangstation nach Aksu, einem Vorort von Antalya. Empfangen wurden wir dort von gefühlten 100 Hunden (und ja, es waren letztendlich wirklich 120 Hunde insgesamt) und einem Eindruck, einem Gefühl, dass mich nicht wieder losließ.

Zu Hause hatte uns der Alltag schnell wieder eingeholt, doch Aksu ließ sich nicht abschütteln. Und so kam ich einfach nicht drum herum: Was kann ich tun? Wo kann ich helfen? Und zwar mehr als nur hier … und so schnell wie meine Frage aufkam wurde sie auch beantwortet: Rosi lud mich herzlich ein in die Auffangstation zu kommen und vor Ort direkt mitzuhelfen.

Kaum einem Monat später war es soweit und ich konnte (wenigstens) für 5 Tage die Reise antreten. Der Flug war unkompliziert, alles normal wie man es als Reisender kennt. Rosi hat mich abgeholt und bei wunderbaren 25 Grad mitten im November ging es dann Richtung Aksu. Aber soweit kamen wir gar nicht. Noch in ziemlicher Wintermontur aus Deutschland stiefelte ich mit Rosi über eine Wiese, von der eine Anwohnerin nachts Welpengejammer vernahm. Rosi konnte schließlich einen kleinen Welpen finden, von den anderen zweien, die sich hier mitten in den Dornen versteckten und sofort mucksmäuschenstill waren als sie uns hörten, fehlt bis heute jede Spur …

Dann ging es zur nächsten Station, denn der kleine Welpe konnte aufgrund des hohen Infektionsrisikos nicht mit in die Auffangstation. Wir fuhren also zu „Lilli“, unserer Rettung in der Not. Und dabei ist Lilli jemand, der auch einfach gerettet werden sollte. Eine Strandhündin, Mutter von 6 aufgeweckten und frechen Kerlchen, lebt etwas abgeschottet von der Straße in einer abgebrannten Ruine, die notdürftig für ihre kleine Familie hergerichtet worden war. Lilli nahm den kleinen Mann sofort an und nachdem wir Wasser und Futter bereit gestellt hatten, mussten wir auch schon weiter.

In der Auffangstation wurde ich wie erwartet von den vielen Hunden begrüßt und mein Gepäck wurde gleich ordentlich inspiziert- schließlich hatte ich dank vieler toller Menschen auch eine Menge an Spenden mit. Damit stand dann auch schon das erste größere Projekt an, denn an sich sind Spenden wunderbar und werden dringend gebraucht; sie wollen aber auch sortiert werden und so verstaut, dass man alles findet was man sucht (und nach Möglichkeit auch flott). Diese Aufgabe ALLEINE, wie Rosi es sonst ist wenn niemand aushelfen kann, ist nicht zu bewerkstelligen. Nicht, wenn von 120 Hunden mehrere krank und verletzt sind, gepflegt und gepäppelt werden müssen. Nicht, wenn man den Pferden schrecklichste Wunden versorgen muss und nicht, wenn man auch die scheuesten Esel impfen muss.

Ein weiteres Projekt war der „Umbau“ der alten Ruine, wo die Strandhündin Lilli lebte. Mittlerweile waren übrigens weitere 6 Welpen dazugekommen, die man uns einfach in einer Orangenkiste vor die Auffangstation abgesetzt hatte. Lilli und ihre 13 (!!!!) Welpen hatten aber dank 8 fleißigen Händen nun endlich ein Dach über den Kopf und können so nun hoffentlich besser den nassen und kalten Winter überstehen.

Auch die Geschichte um Magic, einem ehemaligen Rennpferd, möchte ich noch kurz hier einfügen. Magic, eine Seele von einem Pferd, wurde wohl bis zum (fast) völligen Ende als Arbeitspferd eingesetzt nachdem er als Rennpferd seine besten Tage hinter sich hatte. Sein Körper ist Zeuge seiner grausamen Vergangenheit. So wurde er scheinbar mit Peitschen getrieben und mit Sporen geritten- aber nicht so wie wir es kennen und wie wir es evtl. schon grausam finden. Nein, so dass man heute noch sieht, wo und wie lange die Peitschenhiebe und die Sporenstöße geschmerzt haben müssen. Außerdem hat man ihm eine Nummer in den Rücken geritzt, einfach als Brandmarkung dass er nur ‚Besitz‘ ist. Eine Sache, ein Ding. Etwas, das wenn es nicht mehr funktioniert, weggeworfen wird. Wie so viele kleine schlagende Herzen dort vor Ort, die sein Schicksal teilen. Und doch ist Magic meine große Liebe in Aksu geworden- bei einem Badetag haben wir seine Seele wahrscheinlich mehr verwöhnt als seinen Körper, wobei echt viel Dreck runterkam – und als dankbares Pferd musste er sich natürlich gleich nach dem Waschen ordentlich im Sand wälzen …

Meine Geschichte – mein Aksu-Report – ist genau genommen eine Never-Ending-Story. Viele Geschichten, viele Leben, könnten weitere Seiten füllen und auch meine Unterstützung vor Ort rannte von eins ins andere über. Die Tage in Aksu gingen schnell rum. Unser Tag begann um 7.00 Uhr und endete meist nicht vor 23.00 Uhr. Rosi nahm mich überall mit hin, entführte mich immer wieder in kleine schöne Momente, die mir Land und Leute näher brachte. Momente, wo ich gespürt habe, dass wir alle nur dieselbe Luft atmen. Aber auch in eine andere Welt, voller Schmerz, Leid und Verzweiflung. Wo man sich wie der Tropfen auf dem heißen Stein fühlt. Gar nicht so weit entfernt von uns.

Nadine


„Manchmal sitzen sie vor dir, mit Augen, so hinschmelzend,

so zärtlich und so menschlich, dass sie dir beinahe Angst machen,

denn es ist unmöglich zu glauben, dass da keine Seele in ihnen ist.“

Théophile Gautier